Wissen

So funktioniert E‑Paper

E-Paper sieht aus wie bedrucktes Papier, lässt sich aber jederzeit neu beschreiben.

Wie die Technik funktioniert und worin sie sich von einem Bildschirm unterscheidet.

Grundprinzip

Pigmente statt leuchtender Pixel

Herkömmliche Bildschirme erzeugen ihr Bild mit Licht: LCDs nutzen eine Hintergrundbeleuchtung, bei OLEDs leuchten die Pixel selbst.

E-Paper funktioniert anders. Es leuchtet nicht selbst, sondern reflektiert das Umgebungslicht – ähnlich wie bedrucktes Papier.

  • In winzigen Zellen schweben elektrisch geladene Farbpigmente in einer klaren Flüssigkeit
  • Ein elektrisches Feld zieht für jedes Pixel die passenden Pigmente nach vorn – so entsteht das Bild
  • Ohne Hintergrundbeleuchtung: Je heller die Umgebung, desto besser ist das Bild zu sehen
Schema: Ein Bildschirm leuchtet von hinten, E-Paper wirft das Umgebungslicht zurück

Bistabil

Das Bild bleibt stehen – auch ohne Strom

E-Paper ist bistabil: Sind die Pigmente einmal an ihrem Platz, bleibt das Bild auch ohne Strom erhalten. Energie benötigt die Displayfläche hauptsächlich beim Bildwechsel. Die übrige Elektronik, beispielsweise für die Funkverbindung, verbraucht ebenfalls etwas Strom.

  • Das angezeigte Bild bleibt ohne weitere Energiezufuhr erhalten
  • Bei elektronischen Schildern mit E-Paper sind je nach Modell Batterielaufzeiten von fünf bis zehn Jahren oder mehr möglich. Die tatsächliche Laufzeit hängt unter anderem von der Häufigkeit der Bildwechsel, der Umgebungstemperatur und dem Funkbetrieb ab.
  • Beim Bildwechsel werden die Pigmente in mehreren Schritten neu sortiert; je nach Displaytyp dauert das unterschiedlich lange, bei Farbdisplays oft einige Sekunden

Farben

Von Schwarz-Weiß bis Full Color

Farbige E-Paper-Displays nutzen unterschiedliche Technologien. Je nach System kommen mehrere Farbpigmente oder Farbfilter zum Einsatz.

Neben Schwarz-Weiß gibt es Displays mit wenigen festen Farben und sogenannte Full-Color-Displays, die auch Mischfarben darstellen können. Die Tabelle zeigt typische Beispiele.

Schwarz-Weiß4 FarbenFull Color
Darstellbare Grundfarben Schwarz, WeißSchwarz, Weiß, Rot, GelbSchwarz, Weiß, Rot, Gelb, Grün, Blau*
Mischtöne Graustufenbegrenzte Mischtöne durch Punktrasterviele Mischtöne
Fotos und Verläufe in Graustufen möglichmit reduzierter Farbpalettemit differenzierter Farbdarstellung
Bildwechsel schnellste Varianteeinige Sekundenam längsten
Typischer Einsatz Text, Hinweise, PreiseBeschilderung mit FarbakzentenPlakate, Fotos, Werbung

Auch Displays mit wenigen Grundfarben können Fotos und Farbverläufe darstellen. Durch feine Punktraster entstehen zusätzliche Farbeindrücke – etwa Grau aus Schwarz und Weiß oder Orange aus Rot und Gelb. Je mehr Farben eine Displaytechnologie darstellen kann, desto differenzierter lassen sich Bilder wiedergeben.

* Die Grundfarben beziehen sich auf eine verbreitete Full-Color-Technologie. Andere E-Paper-Technologien können abweichen.

Full Color

Wie Full Color Fotos darstellt

Full-Color-E-Paper kann neben den Grundfarben zahlreiche zusätzliche Farbtöne darstellen. Je nach Technologie entstehen diese durch Farbmischung oder feine Punktraster. Dadurch lassen sich auch Fotos und Farbverläufe wiedergeben.

  • Aus normalem Betrachtungsabstand wirkt das Bild wie ein Druck
  • Farben erscheinen matt und ruhig – weniger leuchtend als auf einem Bildschirm

Dithering

Mischfarben aus einzelnen Punkten

Viele farbige E-Paper-Displays können nur ihre Grundfarben direkt darstellen. Zwischentöne entstehen durch Dithering: Die Software verteilt Punkte in den vorhandenen Farben so, dass sie aus der Entfernung wie eine Mischfarbe wirken.

In der Vergrößerung sieht man zum Beispiel, wie Orange aus roten und gelben Punkten entsteht.

  • Aus normalem Abstand wirken Flächen und Verläufe geschlossen
  • Aus der Nähe ist das Punktmuster sichtbar
  • Feine Details und kleine Schrift gelingen mit reinen Grundfarben am besten
Foto von Kletterausrüstung mit Lupe: Orange setzt sich aus roten und gelben Punkten zusammen

Vergleich

E-Paper und Bildschirm im Überblick

Welche Technik passt, hängt davon ab, was gezeigt werden soll und wo das Display hängt.

E-PaperBildschirm (LCD/OLED)
Lichtquelle reflektiert UmgebungslichtHintergrundbeleuchtung oder selbstleuchtende Pixel
Lesbarkeit bei hellem Licht sehr gutje nach Helligkeit eingeschränkt
Lesbarkeit im Dunkeln nur mit zusätzlicher Beleuchtunggut
Energiebedarf Displayfläche hauptsächlich beim Bildwechseldauerhaft im Betrieb
Stromversorgung oft mit Batteriemeist Netzstrom, bei mobilen Geräten auch Akku
Bildwechsel je nach Displaytyp unterschiedlich schnellsofort
Videos und Animationen neinja
Farbdarstellung matt, begrenztleuchtend, voller Farbraum

Entscheidungshilfe

Wann passt welche Technik?

In Kletterhallen eignet sich E-Paper beispielsweise für Routenschilder und Informationen, die über längere Zeit sichtbar bleiben sollen. Bildschirme sind sinnvoll, wenn Videos, Animationen oder häufig wechselnde Inhalte gezeigt werden.

Für den Einsatz in Kletterhallen spielt neben der Display-Technik auch das Gehäuse eine Rolle: Die Schutzart (IP-Code) gibt an, wie gut ein Gerät gegen Staub und Feuchtigkeit geschützt ist – etwa bei Kreidestaub oder im Außenbereich.

Besonders geeignet, wenn …

E-Paper

Inhalte eher selten wechseln, kein Stromanschluss vorhanden ist oder das Display bei Tageslicht gut lesbar sein soll – etwa für Beschilderung an der Wand.

Bildschirm

bewegte Inhalte, Videos oder sehr häufige Wechsel gezeigt werden sollen und ein Stromanschluss vorhanden ist – etwa im Eingangsbereich.

Beides kombinieren

an der Wand dauerhaft sichtbare Informationen gefragt sind und an zentraler Stelle zusätzlich Bewegtbild – beide Techniken ergänzen sich.